„Meine“ Familie und ich – Fortbildung Elternzusammenarbeit mit Familientherapeutin Judith Rieger

Welche Stellung haben Lernpat_innen in der Familie?

Soll ich den Eltern sagen, dass sie einen Tisch kaufen müssen, damit ihr Sohn richtig arbeiten kann? Ist es okay, wenn ich als Mann einer muslimischen Frau zum Gruß die Hand entgegenstrecke? Wie mache ich den Eltern klar, dass es wahrscheinlich nichts wird mit der Gymnasialempfehlung ihrer Tochter? Darf ich darum bitten, dass der Fernseher ausgeschaltet bleibt, während ich mit meinem Patenkind lerne?

Die Lernpat_innen, die an der Fortbildung „Elternarbeit“ mit Judith Rieger http://www.judith-rieger.de/ teilnahmen, hatten viele Fragen und viele Geschichten aus „ihrer“ Familie zu erzählen. Judith Rieger, Expertin in der Arbeit mit Familien, ließ alle zunächst ein Soziogramm erstellen, in dem die Lernpat_innen die Familie ihres Patenkindes skizzierten und neben sich selbst weitere wichtige Bezugspersonen des Kindes markierten. Die graphische Darstellung dieses Beziehungsnetzes machte deutlich, dass die Lernpat_innen oft die einzige Bezugsperson für das Patenkind sind, die nicht aus der Community stammt und auch keine Lehrerin ist. So wurde gleich zu Beginn deutlich, wie prägend die Begegnung mit den Lernpat_innen für Kinder und Familie sein muss.

 

Die Erziehungskompetenz liegt bei den Eltern

Nachdem viele Erlebnisse mit der Familie und dem Patenkind ausgetauscht worden waren, stellte Judith Rieger klar, dass die Erziehungsentscheidungen von den Eltern getroffen werden. So mag es vollkommen in Ordnung sein, dass ein Lernpate darum bittet, den Fernseher abzuschalten, während er mit dem Kind lernt. Die Entscheidung über den Medienkonsum treffen aber die Eltern und das ist auch gut so. Diese Klärung der Position entlastet die ehrenamtlichen Lernpat_innen, die nicht in der Familie sind, um den Eltern etwas über Erziehung beizubringen. Vielmehr sind sie Lernbegleiter_innen des Kindes und Gesprächspartner_innen der Eltern. Dass dies oft ein schmaler Grat ist, wurde in vielen Schilderungen und Fallbeispielen deutlich.

 

Wie gelingt die Zusammenarbeit mit den Eltern?

  • Sympathie
  • Information
  • Kompetenz

Judith Rieger machte deutlich, dass bereits einer dieser Faktoren genügt, um eine gute Beziehung aufzubauen und eine gelingende Zusammenarbeit zu gewährleisten. Unter dem Stichwort „Teilgabe“ subsummierte sie die Interaktion zwischen Lernpat_innen und Eltern, die gewährleistet, dass alle Beteiligten mit Würde und Anerkennung ihrer Stärken in den Prozess eingebunden sind. Die Eltern, mit denen die Lernpat_innen zu tun haben, machen häufig die Erfahrung, übergangen oder nicht ernst genommen zu werden. Sei es, weil ihr Deutsch nicht so gut ist, sei es, dass sie selbst nur wenig Schulerfahrung haben. Judith Rieger betonte daher, wie wichtig es sei, sich als Partner zu begegnen und davon auszugehen, dass alle Beteiligten ihr Bestes für den Bildungserfolg des Kindes geben wollen. Für Kinder sind die eigenen Eltern von zentraler Bedeutung, um die eigene Identität und den Selbstwert zu definieren. Daher sei es wichtig, dass die Lernpat_innen ihrem Patenkin deutlich machen, dass sie die Lebenssituation und die Lebensleistung von Vater und Mutter wichtig finden und anerkennen.

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