Belve aus dem FM im Interview

 

Antonie: Erzähl mir doch von deiner Arbeit bei Elhana. Wie bist du zu diesem Projekt gekommen und seit wann bist du dabei?

Belve: Ich arbeite seit Februar 2021 bei Elhana. Auf den Verein und die Stelle bin ich wegen dir aufmerksam geworden, Antonie. Ich bin seit Jahren im Rollbergkiez in Neukölln in einem Patenschaftsprojekt ehrenamtlich tätig und jetzt wollte ich einmal die andere Seite, also die der Koordination, kennen lernen. So wollte ich auch mehr in Kontakt mit den Familien und Kindern kommen. 

Antonie: Warum wolltest du dich dort ehrenamtlich engagieren?

Belve: Ich bin sehr behütet aufgewachsen. Mein Vater ist Ingenieur und meine Mutter Lehrerin und lange habe ich gedacht, dass fast jedes Kind ähnliche Chancen hat wie ich. Als ich nach Berlin gezogen bin und begonnen habe zu studieren ist mir aufgefallen, dass das was ich als normal empfunden habe ein unglaubliches Privileg ist. Ich wollte etwas von dem was für mich selbstverständlich war zurückgeben. Wenn der Staat bei der Bildungsarbeit Dinge nicht leistet, ist es um so wichtiger, dass wir das auffangen!

Antonie: Und was genau machst du bei Elhana?

Belve: Ich arbeite im Freiwilligenmanagement und koordiniere die Anfragen der Lernpat*innen und Kindern und spreche mit ihnen über ihre Interessen und Wünsche. Zwischen diesen Gruppen versuche ich dann das bestmögliche Match für eine gute Lernpatenschaft zu finden. Der Großteil meiner Arbeit besteht aus E-Mails beantworten und Telefonate führen. Ich organisiere die Kennenlerntreffen momentan per Skype.

Antonie: Wenn du mehr Zeit für Elhana hättest, was würdest du dann machen?

Belve: Ich würde mich gerne mehr auf den Dütti setzen, die Stimmung kennen lernen und mit Menschen in Kontakt kommen. Ich würde auch gerne mal ein Nachbarschaftsfest organisieren, wenn das wieder geht.

Antonie: Hast du irgendwelche konkreten Ziele, die du mit Elhana umsetzen willst?

Belve: Ich will auf jeden Fall alle Kinder und Jugendlichen auf der Warteliste mit einem Lernpaten oder einer Lernpatin matchen. 

Antonie: Was denkst du ist besonders gut an dem Projekt Elhana? 

Belve: Ich finde Patenschaftsprojekte an sich sind unfassbar wichtig! Bei steigenden Klassengrößen, überarbeiteten Lehrer*innen und sozialer Ungerechtigkeit ist es superwichtig nicht nur den Kindern und Jugendlichen in unserem Projekt zu helfen, sondern auch auf das Problem aufmerksam zu machen. Bei Elhana finde ich das schöne, dass nicht nur Menschen aus der Bildungsoberschicht in die Familien kommen mit der Einstellung dort endlich einmal den Menschen zu helfen und ihnen zu zeigen, wie Bildung richtig funktioniert. Die Lernpat*innen lernen hier auch sehr viel über sich. Man kann lernen sich auf ein Gegenüber einzulassen. So kann ein Verständnis für andere Lebensrealitäten und Menschen entstehen.

Antonie: Wo siehst du noch Verbesserungsbedarf bei Elhana?

Belve: Ich glaube es könnte gut sein, um eine ruhigere Lernatmosphäre für noch mehr Kinder zu schaffen, Räume zur Verfügung zu stellen. Gerade jetzt in der Pandemie wäre es für viele Kinder sicher wichtig einen Ort zu haben, an den sie können, der nicht zu Hause ist. Einen Ort an dem sie ungestört und in Ruhe lernen können. 

Antonie: Was findest du ist das besondere an der Düttmann-Siedlung?

Belve: Erstens finde ich es besonders oder erstaunlich wie groß die Siedlung ist und wie versteckt sie in dem Kiez liegt. Ich bin dort Jahre lang vorbeigefahren und mir war gar nicht klar, dass hier so eine große Siedlung steht. Zweitens erinnert mich die Siedlung architektonisch an den schwedischen Vorort in dem ich als Kind gewohnt habe. Es wirkt sehr familiär. 

Antonie: Was war dein Lieblings-Elhana-Moment?

Belve: Mein Lieblingsmoment bisher war, als ich endlich alle Treffen ausgemacht und dann an Covid-19 erkrankt bin. Ich musste alle wieder anrufen und die Termine absagen. Alle mit denen ich geredet habe waren so nett und verständnisvoll. Da habe ich diese Gemeinschaft im Dütti gespürt. 

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